{"id":36,"date":"2013-11-15T16:40:20","date_gmt":"2013-11-15T14:40:20","guid":{"rendered":"http:\/\/gerig.de\/de\/?p=36"},"modified":"2014-02-13T12:30:22","modified_gmt":"2014-02-13T11:30:22","slug":"willi-ostermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerig.de\/de\/willi-ostermann\/","title":{"rendered":"Willi Ostermann"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/gerig.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Willi_Ostermann.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-451 alignright\" style=\"margin-top: 2px;margin-bottom: 2px;margin-left: 8px\" alt=\"Willi_Ostermann\" src=\"http:\/\/gerig.de\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Willi_Ostermann.png\" width=\"205\" height=\"300\" \/><\/a>Willi Ostermann wurde am 1. Oktober 1876 am Picolonischen Weg Nummer 1 in M\u00fclheim am Rhein geboren. Drei Jahre sp\u00e4ter zog die Familie nach Deutz um. Dort besuchte Willi von 1883 bis 1891 die Volksschule. Danach absolvierte er eine dreij\u00e4hrige Lehre als Stereotypeur und Galvanoplastiker, lernte also das Herstellen von Matrizen sowie das Gie\u00dfen und Ziselieren von Druckplatten. Den jungen Mann aber zog es zur B\u00fchne, zum Puppenspiel, zur Parodie.<\/p>\n<p>1899 entstand sein erstes Lied vom D\u00fcxer Sch\u00f6tzefess. Seine zweite Frau, \u201cet K\u00e4tt\u201d, pflegte sp\u00e4ter zwar St\u00f6renfriede barsch mit den Worten abzuwehren: \u201cD\u00e4 Will es am komponeere\u201d, doch konnte Ostermann weder Noten schreiben noch lesen. Er f\u00fcgte die Melodien im Kopf zusammen. Dann sang er sie auf eine Wachswalze, eine Zinkplatte und sp\u00e4ter auf ein Magnetophonband. Oder er pfiff sie einem Notenschreiber vor. Manchmal war das sein Schwager Emil Palm, ein Kapellmeister. Wenn der einmal einen fachlichen Einwand hatte, rief ihn d\u00e4 Will zur Ordnung: \u201cBes Du d\u00e4 Komponist oder ben ich et?\u201d. Gleichwohl hat Hartmut Prie\u00df von den Bl\u00e4ck F\u00f6\u00f6ss einmal festgestellt: \u201cWas dieser Mann an Musikalit\u00e4t in sich hatte, das bringt heute keiner mehr\u201d.<\/p>\n<p>Als der Fastelovend sein Eigenleben zu verlieren drohte, weil Revue, Schlager und auf k\u00f6lsch umgetextete, zum Teil ordin\u00e4re Berliner Gassenhauer die K\u00f6lner B\u00fchnen eroberten, revolutionierte Willi Ostermann 1907 mit seinem Lied <em><strong>\u201cD\u00e4m Schmitz sing Frau es durchjebrannt\u201d<\/strong><\/em>, das Karnevalslied. Nur ein Jahr sp\u00e4ter gewann er bei dem von der Literarischen Gesellschaft K\u00f6ln initiierten \u201cBlumenspiel\u201d den Preis f\u00fcr das beste Lied in k\u00f6lscher Mundart. Jedes Jahr brachte er von da an neue Texte und Melodien heraus, mit denen er die Volksseele beschrieb und beeindruckte wie kein anderer. Es waren Lieder, die das Heimatgef\u00fchl der Menschen tief ansprachen. Der menschliche Alltag wurde in den Ostermann-Liedern ganz einfach zu etwas Faszinierendem. Belanglosigkeiten und Banalit\u00e4ten wurden schillernde Wirklichkeit, in der sich jeder selbst wiederfinden konnte. Die Milieuschilderungen waren leicht mitsingbare Geschichten. Er sah dem Volk aufs Maul, schrieb, was er sah, war so etwas wie eine singende Zeitung:<\/p>\n<p><em><strong>&#8222;De Wienands han \u00b4nen Has em Pott&#8220;<br \/>\n<\/strong><\/em><b><i><i>&#8222;Kinddauf-F\u00e4\u00df unger Krahneb\u00e4ume&#8220;<br \/>\n<\/i><\/i><\/b><em><strong>&#8222;Et Stina mu\u00df ene Mann han!&#8220;<br \/>\n<\/strong><\/em><em><strong>&#8222;Villa Billa (Jetz h\u00e4t dat Schmitze Billa)&#8220;<br \/>\n<\/strong><\/em><em><strong>&#8222;Kut erop! Kut erop! Kut erop!&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n<p>In fast drei\u00dfig Jahren entstanden mehr als 100 Ostermann-Titel. Gut zwei Dutzend davon wurden richtige Evergreens, die heute noch auch \u00fcber die Grenzen K\u00f6lns hinaus bekannt sind. Das gilt nat\u00fcrlich ganz besonders f\u00fcr die Rheinlieder in hochdeutscher Sprache, die den Mann mit dem \u201cBibbi\u201d sogar im Ausland bekannt gemacht haben. Als um 1920 die Rheinromantik eine Renaissance erlebte, dichtete Willi Ostermann Lieder von Rhein, Wein und M\u00e4gdelein:<\/p>\n<p><em><strong>&#8222;Einmal am Rhein&#8220;<br \/>\n<\/strong><\/em><em><strong>&#8222;Rheinische Lieder, sch\u00f6ne Frau\u00b4n beim Wein&#8220;<br \/>\n<\/strong><\/em><em><strong>&#8222;Drum sollt ich im Leben ein M\u00e4del mal frei\u00b4n&#8220;<br \/>\n<\/strong><\/em><em><strong>&#8222;Da wo die sieben Berge am Rheinesstrande steh\u00b4n&#8220;<br \/>\n<\/strong><\/em><em><strong>&#8222;O Rheinland, wie bist du so sch\u00f6n&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Ostermann gastierte in Hamburg und Berlin, auf Norderney und Borkum, am Lago Maggiore und auf Madeira. Er besang Schallplatten, verdiente viel Geld und verspielte es am Kartentisch, beim Roulette, auf der Pferderennbahn. 1930 entsprach Ostermann mit seinem Lied <em><strong>\u201cOch, wat wor dat fr\u00f6her sch\u00f6n doch en Colonia\u201d<\/strong><\/em> dem Wunsch nach mehr Menschlichkeit und Wohlbehagen in einer immer anonymer und fremder werdenden Gesellschaft. Im Juli 1936 erlitt Willi Ostermann bei einem Gastspiel im Kurhaus von Bad Neuenahr einen Schw\u00e4cheanfall. Er wurde in die Klinik Lindenburg gebracht, die er nicht mehr verlassen sollte.<\/p>\n<p>Wenige Tage vor seinem Tod am 6. August 1936 schrieb er sein letztes Lied, das bald so etwas wie die heimliche Nationalhymne der K\u00f6lner werden sollte <em><strong>&#8222;Heimweh nach K\u00f6ln (Wenn ich su an ming Heimat denke)\u201d<\/strong><\/em>.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000\"><strong>Ver\u00f6ffentlichung:<\/strong><\/span><br \/>\n<strong>&#8222;Willi Ostermann &#8211; Sein Leben und Schaffen in Film, Musik und Wort&#8220;<br \/>\n<\/strong>Pr\u00e4sentbox mit 3 CDs und einer DVD\u00a0(Katalognr.: 949-00835, V\u00d6: 2011, Carlton Musikvertrieb)<\/p>\n<p><strong>&#8222;Willi Ostermann &#8211; Gesamtausgabe&#8220;<br \/>\n<\/strong>Ein Leben f\u00fcr den Frohgesang am Rhein<br \/>\nKlavierausgabe mit vollst\u00e4ndigen Texten (ISBN 978-3-87252-232-0, Gerig Musikverlage)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willi Ostermann wurde am 1. Oktober 1876 am Picolonischen Weg Nummer 1 in M\u00fclheim am Rhein geboren. Drei Jahre sp\u00e4ter zog die Familie nach Deutz um. Dort besuchte Willi von 1883 bis 1891 die Volksschule. Danach absolvierte er eine dreij\u00e4hrige Lehre als Stereotypeur und Galvanoplastiker, lernte also das Herstellen von Matrizen sowie das Gie\u00dfen und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":37,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,17],"tags":[],"class_list":["post-36","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-autoren","category-interpreten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/gerig.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/gerig.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/gerig.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerig.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerig.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/gerig.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/gerig.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/37"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/gerig.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerig.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/gerig.de\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}